Was genau macht der Gutachter?

Aufgaben des Gutachters / Sachverständigen

Gerne erklären wir Ihnen hier mit einfachen Worten, was genau die Aufgaben eines Gutachters / Sachverständigen sind, welchen Regulariern dieser zu folgen hat und was Sie von einem Gutachter erwarten dürfen (und was nicht).

Definition Gutachter

Ein Gutachter / Sachverständiger / oder Schiedsgutachter ist kein Rechtsanwalt und kein Richter. Letzteres dürfte sofort und für jedermann nachvollziehbar sein. Was jedoch viele Menschen glauben ist, dass man sich von einem Gutachter rechtlich beraten lassen könne. Dies ist leider nicht möglich, da in Deutschland klar definiert ist, was rechtsberatende Berufe sind – und hierzu zählt der Gutachter nicht. Ein Rechtsanwalt kann einen Sachverhalt juristisch einschätzen, d.h. den Sachverhalt hinsichtlich aktueller Gesetzgebung überprüfen, ein Rechtsgutachten erteilen und einen Mandanten vor Gericht vertreten. Ein Gutachter hingegen hat einzig und allein über eine Sachfrage zu entscheiden, welche in sein Fachgebiet fällt und hat dabei jedwede Rechtsberatung bzw. rechtliche Würdigung der an ihn herangetragenen Sache an seinem Mandanten strikt zu unterlassen.

Gleichwohl sind z.B. erteilte Schiedsgutachten rechtlich wirksam und können von einer Partei später nicht mehr angefochten werden – auch nicht gerichtlich!

Angefochten werden kann ein Schiedsgutachten u.U. bei z.B. offensichtlicher Unbilligkeit einer Entscheidung, oder sofern der Nachweis geführt werden kann, der Schiedsgutachter hat Partei für einen seiner beiden Mandanten ergriffen.

Zitat aus Wikipedia:

Gutachter:

„Hat ein Gericht oder eine Behörde kein ausreichendes Fach- oder Sachwissen, kann das Gericht oder die Behörde die Sachfrage an einen Sachverständigen zur Beantwortung delegieren. Im Speziellen wird der Ausdruck Sachverständiger für Gutachter oder Berater von Gerichten (Gerichtsgutachter oder Gerichtssachverständiger) oder Entscheidungsgremien gebraucht. Sachverständige unterstützen dabei lediglich den Entscheidungsprozess. Der Sachverständigenbeweis ist ein besonderes Beweismittel, daher ist es von entscheidender Bedeutung, welchen Sachverständigen das Gericht auswählt. Das Gutachten unterliegt der freien Beweiswürdigung durch das Gericht.“

Sachverständiger:

„Der Sachverständige ist eine unabhängige integre Person, die auf einem oder mehreren bestimmten Gebieten über besondere Sachkunde sowie Erfahrung verfügt. Der Sachverständige trifft aufgrund eines Auftrages allgemeingültige Aussagen über einen ihm vorgelegten oder von ihm festgehaltenen Sachverhalt. Er besitzt ebenfalls die Fähigkeit, die Beurteilung dieses Sachverhaltes in Wort und Schrift nachvollziehbar darzustellen.“

Quelle: Wikipedia


Sach- u. Fachkenntnis

Der Gutachter kann nur über solche Dinge entscheiden, von denen er auf gut Deutsch eine Ahnung hat! Eine mind. 5-jährige Praxis (besser 10 Jahre) in Bezug auf die zu begutachtende Sachfrage sollte der Gutachter nachweisen können; besser mithin sogar noch mehr Kompetenz – z.B. eine 10-jährige Tätigkeit nicht als Geselle, sondern z.B. als Meister für Heizungsanlagen u.s.w.

Lebenserfahrung

Neben der Sach- u. Fachkenntnis spielt natürlich auch die Lebenserfahrung eine wichtige Rolle. Jemand, der beispielsweise gerade sein Jurastudium beendet hat, vermag von juristischen Dingen bereits einiges wissen, aber eben noch nicht genug, um über strittige Fragen eine tragfähige und vor allem nicht anfechtbare Entscheidung treffen zu können. Gleichwohl dürfte ein 21 Jahre alte Gutachter kaum glaubwürdig wirken.

Eruieren der Sachfrage

Ein Gutachter wird mit der Klärung einer konkreten Sachfrage beauftragt. Die Fragestellung muss konkret und schriftlich festgehalten sein. Es geht also nicht, einen Gutachter z.B. mit der Frage zu beauftragen „Was könnte alles passieren, wenn dieser oder jender Fall eintritt“. Das wären Prognosen und Wahrsagerei. Eine konkrete Sachfrage könnte z.B. lauten: „Stammen die Schäden im Treppenhaus von der Umzugsfirma, welche gestern hier einen Umzug durchgeführt hat?“.

Der Sachverständige kann sich der Beantwortung einer Sachfrage nur dann annehmen, wenn diese in sein Spezialgebiet fällt, d.h. er die sachliche und fachliche Kompetenz auf dem Gebiet der zu klärenden Sachfrage besitzt. Streift die zu klärende Sachfrage noch andere Bereiche, in welchen der Gutachter keine Sachkenntnis besitzt, so kann er selbstverständlich auf Berufskollegen zurückgreifen, welche in den betreffenden Bereichen kompetent sind, und in der späteren Gutachtenersattung Bezug auf die externen Gutachten nehmen.

gesundes Rechtsempfinden & soziale Kompetenz

Obgleich ein Gutachter kein Rechtsanwalt ist, so hat er doch ein „gesundes Rechtsempfinden“ vorzuweisen. Er entscheidet zwar nicht über Recht und Unrecht, muss aber durchaus Fähigkeiten besitzen, den Unterschied bestenfalls sofort zu erkennen (nicht immer ist sofort klar, was Recht und Unrecht ist!).

Einem Gutachter muss klar sein, dass er mit seiner Entscheidung eine oder beide Parteien enttäuschen wird. Was für Außenstehende später wie eine banale Entscheidung aussieht, kann das Leben von z.B. einer der Parteien entscheident beeinflussen; ja, mithin kann sogar ein ganzer, weiterer Lebensweg negativ beeinflusst werden. Die Entscheidung über eine Sachfrage muss neutral, objektiv und unter Heranziehung einschlägiger Lebenserfahrung nach billigem Ermessen erfolgen. Insbesondere bei einem Schiedsgutachten auf privater Ebene (anders als z.B. bei einem nüchternen KFZ Gutachten), kann den Schiedsgutachter insbesondere bei emotional stark besetzten Themen schnell an seine Grenzen kommen, weshalb der Grundsatz der Billigkeit hier nicht zu kurz kommen darf. Die besondere Ausprägung der sozialen Kompetenz ist enorm wichtig.

absolute Neutralität

Der Gutachter wird zwar von einem Mandanten beauftragt (einer Partei) – (der Schiedsgutachter hingegen von beiden oder mehreren Parteien), ist aber nicht verpfichtet, Gutachten im Sinne seines Auftraggebers zu erstatten. Dies wird aber oftmals so gewollt. Viele wenden sich an einen Gutachter und sagen: „Beweisen Sie mir, dass die Firma XY hier gepfuscht hat“. Nach Eruierung der Sachfrage und der Beauftragung des Gutachters, kann sich später herausstellen, dass z.B. die Handwerker korrekt gearbeitet haben und der Schaden viel später und ursächlich ganz anderer Gegebenheiten entstanden ist. Sodann würde das Gutachten gegen den eigentlichen Wunsch des Mandaten erstattet werden – wobei der Auftraggeber die Kosten des Gutachters selbst zu tragen hat.

Alleroberste Prämisse jeden Gutachters lautet daher: Absolute Neutralität – keine Subjektivitäten zulassen – keine Vermutungen anstellen – Fakten und Beweise sichern.
Die Arbeit eines Gutachters ähnelt oftmals der eines Privatdetektives oder Kriminalbeamten, denn um die Sachfrage final und korrekt beantworten zu können, muss sich der Sachverständige in vielen Fällen externe Hilfe holen und selbst Ermittlungen anstellen. Hierzu gehören auch Befragungen anderer Personen und die Anhörung von Zeugen.

absolute Objektivität

Jegeliche subjektiven Eindrücke, z.B. einer der Parteien, muss der Schiedsgutachter, mithin auch jeder andere Gutachter, völlig ausblenden. Der Gutachter ist ein sog. „Fakten-Mensch“. Ähnliche Berufe, in welchen sich Fakten-Menschen bewegen, sind Polizisten, Richter, Staatsanwälte u.s.w.

Was genau sind Fakten?
Beispiel: Mandant A erklärt dem Gutachter, ein Sachverhalt habe sich so und so zugetragen. Das sind für den Gutachter zunächst jedoch nur „vermeintliche Fakten“ – vermeintlich deshalb, weil eine Tatsache bislang zwar nur vorgetragen, aber nicht belegt wurde. Wenn nun Mandant B behauptet, die Sache habe sich ganz anders zugetragen, so hat der Gutachter nicht etwa zwei Tatsachenberichte, sondern lediglich zwei Subjektivitäten, also lediglich Vermeintlichkeiten. Gelingt es dem Gutachter durch eigene, dem Sachverhalt angemessenen (Zeit)-Aufwand Ermittlungen nicht, die strittige Frage zu lösen, so wird der Gutachter zumindest diese Streitfrage völlig ausblenden und nicht zum Gegenstand seiner späteren Entscheidung (Gutachtenerstattung) machen können.

Entscheidungen nach billigem Ermessen

Mit dem Begriff „billig“ ist nicht vergleichbar „preiswert“ oder „kostengünstig“ gemeint. Die Billigkeit einer Entscheidung definiert sich aus dem Gewicht der Sachfrage in Bezug auf die nachvollziehbaren Gründe einer späteren Entscheidung.

Sachfrage und Entscheidung eines Gutachters müssen auch für Außenstehende relativ leicht, für Sachkundige sogar sofort erkennbar und nachvollziehbar sein. Weiterhin hat der Gutachter ausführlich darzulegen, wie er final zu seiner Entscheidung gekommen ist.

Ist das Gutachten rechtssicher?

Klare Antwort: NEIN. Jeder Richter kann auf Antrag einer Partei, wenn er möchte, z.B. einen öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen zulassen oder ablehnen. Sogar ein Antrag auf die Zulassung eines Privatgutachtens als Beweismittel vor Gericht, kann von diesem zurückgewiesen werden. Letztendlich ist es auch so, dass ein Gericht zu einem andren Schluss kommt, als der Gutachter; oder die Gegenpartei bestellt selbst einen Gutachter (dann streiten sich eben die Gutachter). Ein Gutachten in der Hand zu halten, bedeutet somit noch lange nicht, in Bezug auf die strittige Frage den Kelch der Erlösung in den Händen zu halten.

Ein Privatgutachten, wie es von mir angboten wird, verhilft Ihnen zu mehr Rechtssicherheit, unterstützt Sie bei Verhandlungen und kann Ihnen natürich auch vor Gericht helfen.

Anders ist es bei einem Schiedsgutachten:
Hier beauftragen mind. zwei Parteien den Schiedsgutachter, dass er stellvertretend für diese eine verbindliche Entscheidung trifft. Die beauftragenden Mandaten unterwerfen sich schriftlich einem Verzicht auf den Rechtsweg (Klageverbot) und erklären, die Entscheidung des Schiedsgutachters anzuerkennen. Diese Entscheidung kann dann später nicht mehr angefochten werden!

Ausnahmen gibt es, z.B. wenn die Entscheidung nicht nach billigem Ermessen getroffen wurde, aber hierauf soll an dieser Stelle nicht eingangenen werden.
… lesen Sie hier mehr zum Thema Schiesgutachten….

Kann ein Sachverständiger einen Rechtsanwalt ersetzen?

Nein! Beispiel: Sie möchten klären lassen, ob Sie bei Ihrem Kaufvertrag über eine neue Küche vom Händler betrogen wurden. Hier muss keine Sachfrage hinsichtlich eines Montagemangels geklärt werden, welchen z.B. die Montagefirma verursacht haben könnte, sondern die Frage, ob die Ausgestaltung des Kaufvertrages rechtswidrig u./o. zum Nachteil des Käufers ausgestaltet wurde. Demnach eine Sache für einen Anwalt, nicht für einen Gutachter.

Der Gutachter aber wiederum, kann mit dem Einverständnis seines Mandaten einen Rechtsanwalt zur Klärung wichtiger Rechtsfragen hinzuziehen, wenn davon die Auftragserfüllung (Gutachtenerstattung) abhängig ist.

Ist der Gutachter verpflichtet, einen Auftrag anzunehmen?

Nein, ein Privatgutachter kann Aufträge auch jederzeit ohne Angabe von Gründen zurückweisen. Ein öffentlich bestellter und vereidigter Gutachter kann ein Mandat ebenso ablehnen, gleichwohl sollte er dies begründen können, da die Bestellung meist auf richterliche Anordnung kommt.

Wer bezahlt den Gutachter?

Grundsätzlich bekommt der Gutachter sein Geld vom Mandanten (Auftraggeber) direkt. Es gibt aber auch Ausnahmen.
…Lesen Sie hier mehr zur Bezahlung des Gutachters…

Gefälligkeitsgutachten

Ein sog. Gefälligkeitsgutachten mißachtet die Grundsätze der Objektivität und Neutralität, welchen der Gutachter zwingend unterworfen ist. Eine Gutachtenerstattung zugunsten des Auftraggebers, wohlwissend, dass der Sachverständige hier Tatsachen mißachtet, verdreht und/oder verschleiert, ist eine strafbare Handlung und wird neben einer juristischen Aburteilung im Strafverfahren zum Berufsverbot für den betreffenden Sachverständigen führen. An dieser Stelle wird betont, dass Gefälligkeitsgutachten unter keinen Umständen erstattet werden und wir Mandanten, welche mir derlei Ansinnen an uns herantreten, unverzüglich und auch für die Zukunft abgelehnt werden.


Autor: Robert Pudewell
Irrtum und Änderung von Gesetzen und Vorschriften vorbehalten.
Es wird keine Rechtsberatung angeboten u./o. erteilt.
Bei der Klärung juristisch relevanter Fragestellungen wenden Sie sich bitte an einen Rechtsanwalt.
Bei der Auswahl geeigneter Fachanwälte im jeweiligen Rechtsgebiet bin ich gerne behilflich.


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